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Ist ein AED Pflicht?

Wird ein Patient bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand innerhalb von 5 Minuten mit einem Defibrillator reanimiert, liegt die Überlebenschance bei bis zu 70%.¹ Wäre es also nicht sinnvoll, immer einen AED griffbereit zu haben? Obwohl Herzstillstand als die dritthäufigste Todesursache gilt, gibt es aktuell in der DACH-Region keine AED Pflicht. Schauen wir uns gemeinsam die rechtlichen Grundlagen an und welche Diskussionen eine Pflicht beeinflussen.

AED an öffentlichen Standorten verfügbar, um Überlebenskette zu beginnen. © Pexels

Gesetzliche Vorschriften – die einzelnen Länder im Vergleich

Der AED kann die Wiederbelebungsmaßnahmen begleiten und bei medizinischer Notwendigkeit einen Stromstoß abgeben, um das Herz zurückzusetzen, wodurch es einen normalen Rhythmus aufbauen kann. Dieses kleine medizinische Gerät, das auf den ersten Blick einem Erste Hilfe Kasten ähnelt, ermöglicht es Passanten, die keine medizinischen Vorkenntnisse haben, bei Herzstillstand Hilfe leisten zu können.

Deutschland

In Deutschland gibt es keine Pflicht für die Bereitstellung von AEDs an öffentlichen Plätzen und Einrichtungen, genauso wie Arbeitsstätten. Obwohl die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie² sich klar für den AED als Erste Hilfe Maßnahme ausspricht, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, die in Deutschland ca. 8-9 Minuten beträgt, zu überbrücken, gibt es keine rechtlichen Vorgaben. Demnach liegt die Entscheidung beim Unternehmen selbst. 

Einige Bundesländer haben Richtlinien entwickelt, welche jedoch nicht verpflichtend sind und als Empfehlung angesehen werden können. In Deutschland gibt es keine genauen Daten³, wie viele Defibrillatoren an öffentlichen Standorten verfügbar sind. Zudem gibt es keine einheitliche Standort-Karte, um eine Übersicht zu bekommen. Verschiedene Vereine und das DRK versuchen, einen Überblick zu verschaffen. Jedoch kommen die vorhanden AEDs nur selten zum Einsatz.    

Österreich

Schaut man sich die Situation in Österreich an, kann man eine ähnliche Lage vorfinden. Auch hier gibt es aktuell keine AED Pflicht. Dennoch wurden einige Maßnahmen getroffen, die auf die Wichtigkeit von Defibrillatoren in der Öffentlichkeit hinweisen. Die Stadt Wien⁴ bietet auf ihrer Homepage eine Übersicht über die aktuelle Lage.

Es steht eine Standort-Karte zur Verfügung, anhand derer man einen AED ausfindig machen kann. Zudem wurden sogenannte Defi-Säulen errichtet. Entnimmt man einer solchen Säule einen AED wird automatisch ein Notruf abgesetzt. Der Mitarbeiter der Notrufzentrale kann den Ersthelfer ausführlich anleiten, sodass optimale Konditionen für eine erfolgreiche Herzstillstand Hilfe gegeben sind.     

Schweiz

In der Schweiz gibt es ebenfalls keine AED Pflicht. Dennoch wird die Bereitstellung an öffentlichen Plätzen und Gebäuden empfohlen. Eine solche Empfehlung spricht der Swiss Resuscitation Council (SRC) aus. Bei der SRC handelt es sich um ein offizielles Fachgremium, das sich auf die Themen Kreislaufstillstand und Reanimation spezialisiert hat. Unter anderem hat das Fachgremium eine „Nationale Überlebensstrategie bei Kreislaufstillstand“ entwickelt, bei der der AED als wichtiges Hilfsmittel eingesetzt wird.

Nationale Überlebensstrategie bei Kreislaufstillstand der SRC zum Download.

Wer ist für die Bereitstellung eines AEDs verantwortlich?

Da es keine Pflicht gibt, Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen oder Gebäuden bereitzustellen, liegt die Verantwortung bei demjenigen, der für den AED Standort zuständig ist. Dabei kann es sich beispielsweise um ein Unternehmen, einen Verein oder auch um die Stadtverwaltung handeln. AEDs sind zum Beispiel häufig an Bahnhöfen oder Flughäfen zu finden. Dafür verantwortlich sind die Flughafen- und Bahnhofsverwaltungen. Außerdem gilt, dass derjenige, der einen AED bereitstellt, auch für die Wartung und die Kontrolle zuständig ist.

Automatisierte externe Defibrillatoren führen regelmäßig einen Selbsttest durch. Außerdem muss das Gerät alle zwei Jahre einer STK, einer sicherheitstechnischen Kontrolle, unterzogen werden. Zudem muss überprüft werden, ob die Pads in einem guten Zustand sind, ob alles Hilfsmaterial, wie zum Beispiel Handschuhe und Beatmungstuch, vorhanden ist und ob die Batterien in einem guten Zustand sind.

Sollte ein Defibrillator eingesetzt worden sein, ist derjenige, der den AED bereitstellt, dafür verantwortlich, ihn wieder neu zu bestücken, zu desinfizieren und wieder an die richtige Stelle zu bringen.   

Müssen Unternehmen einen AED haben?

Vor allem in großen Unternehmen, bei denen viele Personen angestellt sind, müssen die Arbeitgeber die Sicherheit aller Mitarbeiter gewährleisten. Besonders in Betrieben, die körperliche Arbeit voraussetzen, kann es daher sinnvoll sein, einen Defibrillator vor Ort zu haben, um schnell reagieren zu können. Doch auch das ist nach aktuellem Stand keine Pflicht.

Laut Arbeitsschutzgesetz muss in jedem Unternehmen ein betrieblicher Ersthelfer bestimmt und entsprechend ausgebildet werden. Man kann also davon ausgehen, dass auch im Notfall so entsprechendes Personal vorhanden ist, das bei Herzstillstand Hilfe leisten kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur betriebliche Ersthelfer dazu verpflichtet sind, Erste Hilfe zu leisten. Vor allem mit einem AED könnten alle Mitarbeiter schnell und effizient reagieren. 

Einige Unternehmen entscheiden sich gegen einen AED, unter anderem wegen des Wartungsaufwands und der Vorschriften der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV). Zwar schreibt diese für viele Medizinprodukte eine spezielle Einweisung vor, jedoch sind automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) davon ausgenommen, da sie für Laien konzipiert sind. Eine einfache Unterweisung ist daher ausreichend.⁵

Warum gibt es bis heute keine AED Pflicht?

Wenn mit einem Defibrillator so viele Leben gerettet werden und es Empfehlungen gibt, an allen Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten und körperliche Aktivität ausgeübt wird, AEDs bereitzustellen, stellt sich die Frage, warum es bis heute keine Pflicht gibt. Das lässt sich unter anderem auf die Datenlage zurückführen. Ca. 70% aller Herz-Kreislauf-Stillstände⁶ treten im häuslichen Umfeld auf. Im Vergleich sind nur 15% an öffentlichen Orten verzeichnet. Mit einer Pflicht würde man demnach nur einen kleinen Teil aller Notsituationen abdecken.

Außerdem spielt die Aufklärung eine wichtige Rolle. Nur wenige der zahlreichen AEDs, die bereits vorhanden sind, werden auch tatsächlich eingesetzt. Es sind Schulungen und Kurse notwendig, die es Passanten ermöglichen, in einer Notsituationen und bei einem Herzstillstand Hilfe leisten zu können.

Es muss beachtet werden, dass ein AED nicht die einzige Erste Hilfe Maßnahme ist, denn auch mit einer gut ausgeführten Herzdruckmassage kann einem Betroffenen das Leben gerettet werden. In unserem Artikel „Alles, was du über automatisierte externe Defibrillatoren wissen musst“ bekommst du einen Überblick über AEDs und ihre Besonderheiten.  

Fazit: Wäre eine Pflicht sinnvoll?

Auch wenn es bisher keine einheitliche Pflicht gibt, sind AEDs dennoch ein heiß diskutiertes Thema. Empfehlungen und Richtlinien reichen jedoch nicht aus, um für ausreichend Aufklärung zu sorgen. Das Bewusstsein aller Menschen für die Wichtigkeit, Erste Hilfe zu leisten, ist als Grundlage entscheidend. Aufgrund der Effizienz eines Defibrillators wäre eine Pflicht jedoch sinnvoll.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Eine spezielle Einweisung für die Anwendung eines AED ist nicht erforderlich. Es genügt, wenn betriebliche Ersthelfer im Rahmen ihrer regulären Erste-Hilfe-Unterweisung entsprechend geschult werden.

Ja, die Wartung ist entscheidend, um die Funktionsfähigkeit des AEDs zu gewährleisten. Der AED führt regelmäßig Selbsttests durch. Dennoch müssen das Gerät und das Zubehör überprüft werden. Außerdem muss alle zwei Jahre eine sicherheitstechnische Kontrolle durchgeführt werden.   

AEDs sind an allen Orten sinnvoll, an denen sich viele Menschen aufhalten. Ob in öffentlichen Einrichtungen, Flughäfen oder Bahnhöfen, mit einem Defibrillator kann schnell erste Hilfe geleistet werden. Auch für Sportvereine oder an Orten, an denen viel körperliche Aktivität verrichtet wird, kann es sich lohnen, einen AED zu kaufen.

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